Art & Culture: Gianluca Gimini

16.12.2016

Obwohl er Architektur studiert hat, kann sich Gianluca Gimini mittlerweile mit der Berufsbezeichnung Designer anfreunden – schließlich hat er lange genug als einer gearbeitet, u.a. in Shanghai. Nach mehreren Stationen im Konzept- und Produktdesign, so wie der visuellen Kommunikation lehrt Gianluca nun auch an der Universität und gibt sein Wissen an die nächste Generation weiter. Nicht nur in der Arbeitswelt, auch in seinen persönlichen Kunst- und Designprojekten, arbeitet er gerne interdisziplinär und grenzüberschreitend. Eines dieser Projekte heißt Velocipedia und hat für einiges an Aufsehen gesorgt.

Was wirst du uns auf der Berliner Fahrradschau zeigen?

Ich freue mich sehr gleich zwei Projekte präsentieren zu dürfen. Zum einen meine Serie Velocipedia, realistisch gerenderte Bilder, basierend auf Skizzen von zufällig ausgewählten Menschen, die gebeten wurden, aus dem Gedächtnis ein Fahrrad zu zeichnen.

Das andere Projekt ist gerade noch in Arbeit. Vom Stile her ähnelt es dem ersten, da ich die gleiche Render-Technik benutze. Die Inspiration kommt aber nicht von Skizzen und es geht auch nicht um Fahrräder sondern um Sneaker!

Wie sieht deine persönliche Beziehung zum Fahrrad aus?

Ich bin Radfahrer und Besitzer von vier Rädern. Eines hat Rücktritt, ist 80 Jahre alt und von einem kleinen Hersteller namens Cantagalli. Dann ein Colnago aus den 70ern und zwei weitere die es nicht Wert sind hier aufgeführt zu werden.
Das Fahrrad war für mich schon immer ein Werkzeug der täglichen Mobilität, gerade weil ich in einer Kleinstadt aufwuchs und in Ferrara zur Uni ging – der “Stadt der Fahrräder” Italiens. Daher habe ich immer das Fahrrad genutzt um herumzukommen. Heute liegt mein Arbeitsplatz zu weit von meinem Wohnort weg um mit dem Rad zu pendeln. Im Sommer sitze ich aber fast jeden Tag im Sattel.

Dein Projekt Velocipedia war ein großer Erfolg und ist in aller Munde. Wie kamst du auf die Idee Leute anzusprechen und sie Fahrräder zeichnen zu lassen? Wie viele wurden tatsächlich gebaut nachdem du sie gerendert hast?
Da muss ich die ganze Geschichte erzählen: Alles begann 2009 als ich mit einem Freund in einer Bar in Bologna saß. Wir quatschen über alte Zeiten, die Schule, und ich erinnerte mich an diesen sehr peinlichen Moment als ein Klassenkamerad von unserem Techniklehrer abgefragt wurde. Er wusste echt gar nichts und war schon den Tränen nahe. Der Lehrer wollte nett sein und forderte ihn auf ein Fahrrad zu beschreiben. Der arme Junge bekam Panik und wusste nicht mal mehr ob der Antrieb vorne oder hinten war. Mein Freund musste bei der Geschichte tierisch lachen und sagte, dass jeder der jemals Fahrrad gefahren sei das wissen müsse. Dann zeichnete er ein Fahrrad auf die Serviette und versagte kläglich. Das war der Tag, an dem ich anfing Fahrradzeichnungen zu sammeln.
Leider wurde bis dato noch keines gebaut. Ich habe zwar die Angebote vom Rahmenbauer, diese sind aber nicht gerade billig. Also warte ich so lange bis jemand vorbeikommt, der verrückt genug ist, sich ein lebensgroßes und nicht funktionsfähiges Fahrrad zu kaufen und dann in sein Wohnzimmer zu hängen.

Bianchi-grün oder Ferrari-rot – celeste oder rosso corsa?

Da gehe ich mit celeste. Ich mochte die Farbe immer und es ist zudem ein schöner italienischer Frauenname. Außerdem heißt corsa ja Rennen, und nichts ist mir ferner als das. Ich fahre mein Rad schön langsam!


Erzähle uns doch noch von deinem neusten Projekt – worum geht´s?

Auch so ein Projekt das eher zufällig angefangen hat. Der endgültige Name steht auch noch nicht fest. Dieses mal startete es eines Sonntages beim Lunch mit ein paar Freunden. Unsere Whatsapp-Gruppe heißt „Friends of Pino Silvestre”, was eine alte italienische Duschgel-Marke ist. Die Anekdote, warum die Gruppe so heißt, muss leider geheim bleiben. Während des Mittagessens hatte ich die Idee für unserer Treffen Pino Silvestre Turnschuhe zu machen, was natürlich erst mal nicht ernst gemeint war. Irgendwie fand ich die Idee dann so amüsant, dass ich abends ein Paar „Limited Edition Pino Silvestre Nikes“ skizzierte und auf meinem persönlichen Facebook-Profil postete. Es kam eine Menge gutes Feedback und ich beschloss eine Serie Sneakers aufzulegen und so zu tun, als seien sie ein recht ungewöhnliches Co-Branding-Projekt, mit dem Ziel eine alte und uncoole Marke bei jungen Leuten beliebt zu machen. Das kann tatsächlich sehr lustig sein, wenn du das richtige Produkt wählst, also etwas, das wirklich niemand als Limited Edition Sneaker vermarkten würde. Für die ersten drei Bilder habe ich existierende Modelle gelabelt, dann habe ich begonnen diese zu modifizieren und nach und nach eigene zu gestalten.